Pebble Steel

Aus einem Grund dachte ich, besser spät als nie. Ich hatte auf der Kickstarter Seite der Pebble Time irgendwie eine frei gewordene Early Bird Time gesichtet. $159, Lieferung im Mai. Ok, dachte ich, lass ich mir raus. Bevor ich aber alles eingetippt hatte, war das eine Model weg. Klar irgendwie.

Nachdem ich seit geraumer Zeit mit einer Sony SmartWatch 3 herum laufe, sind mir ein paar Dinge in Bezug auf Smartwatches klar geworden. Ich meine, einige der Punkte löst die Pebble Steel besser. Die „alten“ Pebbles gibt es dieser Tage auf eBay und anderswo recht günstig, da noch gute Preise erzielt werden sollen, bevor die Pebble Time auf den Markt kommt. Nun trage ich also eine Pebble. Kein Kickstarter Teil, die normale aus dem Shop, gut erhalten, ich würde fast sagen neuwertig.

Ein paar Tage trage ich das Ding nun schon und komme zu einem ersten Fazit: Nicht übel. Der wichtigste Punkt nach ein paar Tagen: Am Donnerstag geladen, morgen ist wieder Donnerstag und es sind noch 40% Akku drin. Nicht ausgeschaltet in der Nacht, Display die ganze Zeit aktiv. Knaller. Optisch schaut das weniger nach Nerd-Ding aus, eher nach einer Uhr. Nicht ganz, viele Knöpfe und ein Display halt. Was genau macht die Pebble nun besser (oder anders) als aktuelle Android Wear Geräte?

Den ersten Punkt hab ich erwähnt, der Akku geht eine Woche. Ohne wenn und aber. Nachdem wohl die Uhr auch die Benachrichtigungen von Android Wear abgreift, vibriert sie genau so oft wie die Sony und zeigt Mails, SMS, Hangout und was auch immer das Telefon meint melden zu müssen. Sie ist kleiner als all die Smartwatches die es sonst so gibt. Die Stahloptik mit dem Lederband gefällt mir eigentlich ganz gut. Vielleicht schicker als ein voll gummiertes Gadget. Ok, die Sony gibt es inzwischen auch in Metal. Eine Besonderheit der Sony-Uhr ist das Display, welches ohne Beleuchtung zu lesen ist, die Uhr ist also die ganze Zeit ablesbar, auch wenn sie nicht „aktiv“ ist. Andere Teile leuchten dann immer noch, was ich störend finden würde. Die Moto 360 hält dann wohl keinen Tag, die Apple Uhr wird auch keinen Tag halten, die Uhren mit OLED Display schaffen so auch 2 Tage, aber leuchten eben. Mag man sich schön reden können, aber einen Blick auf die Uhr werfen zu können, egal wie man diese gerade hält ist irgendwie wichtig für eine Uhr. Das Feature was die Uhr aktiviert wenn man die typische „Zum ablesen anheben“ Geste macht, fand ich gar störend und deaktivierte es.

Das Display der Pebble ist „nur“ schwarz/weiß. Wie ein eBook-Reader. Es gibt eine Beleuchtung. Für ein e-Ink-Display ist die Anzeige überraschend schnell. Man kennt von frühen eBook-Readern eine sehr lange Umschaltzeit, das gibt es bei der Pebble nicht. Da funktionieren auch Animationen. Ein tickender Sekundenzeiger als Beispiel. In der Sonne schaut das Display wirklich gut aus, kein Vergleich zum transreflexiven Display der Sony. Die Anzeige anderer Uhren in der Sonne hab ich nicht gesehen, an das e-Ink-Display kommt es sicher nicht heran. Für Zeit und Texte brauche ich auch keine Farbe, echt nicht. Die Auflösung ist relativ gering, aber man kann alles gut ablesen. Wenn man nah heran geht, sieht man Pixel, kann man nicht schön reden. Dann gehe ich nicht nahe heran, das muss man bei der Uhr auch nicht.

Das wildeste aber ist: Es gibt keinen Touchscreen! Oft hab ich gewünscht, den der Sony abstellen zu können. Man bedient das Ding sehr oft aus Versehen. Drückt drauf, dann geht die Spracherkennung los und das Telefon öffnet komische Webseiten auf dem Telefon. Ich hab mehr unbeabsichtigte Suchen ausgeführt als absichtliche. Das gibt mir zu denken. Ich will auch nicht mit der Uhr reden, das ergibt keinen Sinn und kommt mir widernatürlich vor. Die Benachrichtigungen die über solche hinaus gehen, die das Telefon ohnehin los werden will, die das Feature von Android Wear sein könnten, ergeben in Deutschland keinen echten Sinn. Praktisch wie Google Now. Nutzlos in Deutschland. Schade.

Man kann nur 8 Dinge auf die Pebble installieren. Seien es Ziffernblätter oder Apps. Das klingt knapp, ist es auch. Aber realistisch reicht das vielleicht auch. Ich hab gar keine App und 6 Ziffernblätter. Zu meiner eigenen Überraschung reicht das auch. Für mehr hab ich kein Bedürfnis. Zusammenfassend kann man sagen: Die Pebble ist bei weitem nicht so ein Technisches Wunderwerk wie aktuelle Geräte mit Android oder nun auch die Apple Watch. Aber für das, was sie tun soll, ist sie genau richtig. Immer ablesbar, schaut nicht so nerdig aus, wasserdicht. Akku geht eine Woche und einen Tag. Benachrichtungen sind fein. Mehr passiert nicht. Vielleicht hab ich auch zu wenige Ansprüche an eine Smartwatch und es passt daher genau für mich?