Smartwatch: Moto 360

Seit der ersten Vorstellung von Android Smartwatches dreht sich ein Hype um die Motorola Moto 360. Gefühlt jubeln die gleichen Menschen aus der persönlichen Filterblase diese Uhr hoch, die auch jedes neue Nexus Telefon in den höchsten Tönen loben, es sei denn, es ist zu teuer. Es ist seit dem ersten Buzz um Android Wear ein Jahr ins Land gegangen. Es gibt einige Geräte der ersten Generation und einige der Generation 1+, will ich mal sagen. Als Fanboy der Gerätschaften des japanischen Herstellers Sony legte ich mir eine Sony SWR50 SmartWatch 3 zu und berichtete darüber.

Vor kurzem gab es beim Saturn ein Angebot für einige schmale Taler die Motorola Moto 360 zu erwerben. Als Gadget-Sammler konnte ich der Neugier nicht widerstehen und nahm dieses Angebot an. So kommt es also, dass die ehedem gehypte Moto 360 an meinem Arm fest gebunden ist. Angesichts der Tatsache, dass jeder Techblogger schon alle News dazu abgeschrieben hat, hunderte Tests veröffentlicht wurden und außer dem neue Modell am Horizont zu sehen sind, ein wenig spät mein „Test“. Möglicher Weise gibt es aber Nutzer, die aufgrund des niedrigen Preises überlegen, eine alte Moto zu erwerben. Denen sei hier geholfen bei der Entscheidungsfindung.

Die Moto 360 war die erste Smartwatch in „rund“. Optisch an eine richtige Uhr erinnernd, jedenfalls, wenn man den Produktbildern glauben darf. Allerdings vermitteln die einen falschen Eindruck. Alle Produktbilder sind mit einem schönem Ziffernblatt im Modus „aktiv“ fotografiert. Dies unterschlägt die Tatsache, dass die Uhr 95% der Zeit einfach eine massiv große schwarze Scheibe ist. Motorola verwendet ein LCD Display. Dieses kann entweder leuchten oder nicht. Es gab bis zum Update auf Android Wear 1.3 die Kombination: Display immer an, Bewegen um zu aktivieren deaktiviert. Das war eigentlich nett, auf der Uhr war nichts zu sehen, bis sie aus der Bewegung schloss, dass der Nutzer wohl drauf schauen könnte. Ich hab immer eine Uhr gesehen, wenn ich in die Richtung schaute. Trotzdem war der Akku nicht sofort leer. Scheint funktioniert zu haben. Den richtig aktiven Status konnte man nur durch tappen erreichen. Mit dem Update ist das Feature aber auf komische Weise kaputt gemacht worden. Display immer an bedeutet auch immer an. Akku ist nach einem halben Tag leer. Es gibt nun einen halbschönen Weg: Display immer an, Bewegen zum aktivieren. Die Uhr zeigt das gedimmte Display wenn nur so etwa die Uhr in Richtung „schauen“ bewegt und das vollständig aktive, wenn man es richtig vor das Gesicht hält.

Thematisch sind wir also bei Display. Das Design der Uhr, große und rund und randloses Display ist ein Hammer. Ohne Übertreibung: Top. Von der Idee her. Von der technischen Umsetzung her ist es ein kompletter Fail. Wenn man die theoretischen Fakten und das Gerät selbst nüchtern betrachtet, kommt es einem in den Sinn: Motorola wollte als erster eine Android Wear Uhr zeigen, hat daher Kompromisse in Sachen Technik machen müssen. Dann aber den Termin nicht gehalten und selbst die anderen Schnellschüsse sind besser gelungen. Das Display und vor allem die verwendete Technik sind der erste Kompromiss. Die CPU und der schwache Akku der andere. Ein LCD hat eine Hingrundbeleuchtung und davor RGB Punkte die durch leuchten oder abgedeckt werden. Es leuchtet also auch immer das ganze Display, bei einem schwarzen Bild genau wie einem weißen. Bei Lichteinstrahlung von außen muss die Display-Beleuchtung dieses überstrahlen. So die Theorie. Im halbdunklen Zimmer funktioniert das für die Uhr auch, aber schon eine helle Lampe über der Uhr an der Decke lässt das angezeigte Bild blass und kaum mehr sichtbar wirken. Tageslicht außen: Das gedimmte Display ist gar nicht zu erkennen, das voll aktive so halbwegs bei voller Stärke der Hintergrundbeleuchtung. Abseits vom Halbdunkel leider nutzlos. Man kann schlecht abstreiten, dass damit ein ziemlich großer Teil der Eigenschaft „Uhr“ verloren geht. Bei optimalen Bedingungen überzeugt das vergleichsweise riesige Display aber. Die eher geringe Auflösung der platte Reifen stören zu meiner Überraschung eigentlich nicht so sehr. Das „randlos“ und die schiere Größe heben das easy auf.

Die verwendete Technik im Display und der altbackene Prozessor zusammen mit dem kleinen Akku: Kurze Laufzeit. Leider. Normal hält der Akku über den Tag. Aber nicht länger. Wenn man die Uhr quasi nicht verwendet. Aufwendige Ziffernblätter, Puls messen: Dann ist der Akku vor dem Ende des Tages leer. Ist mir ein paar mal passiert. Das führt dazu, dass man die eigentlich nette Schnurlos-Lade-Technik blöd findet. Die Idee ist hier auch wieder nett. Die Moto hat gar keine Pins und lässt sich nur drahtlos laden. Es gibt ein nettes Ladegerät dazu. Stellt man die Uhr rein, erscheint ein sehr dunkles Bild was die Zeit und einen runden Lade-Fortschrittbalken zeigt. Ideal um auf dem Nachttisch zu stehen. Leider muss man dieses Ding auf Reisen auch immer dabei haben. Den anders lädt die Uhr ja nicht. Man kann jedes Qi-Ladegerät benutzen, zumindest theoretisch. In der Praxis habe ich einen Effekt, es lädt bis 80% und springt dann nervig zwischen normalem Watchface und Ladeanzeige hin und her. Die Uhr wird recht warm und lädt nicht weiter. Ich habe Erfolge damit gefeiert, dass ich sie vom Ladegerät nahm, kurz wartete und wieder drauf legte. Sie lud weiter bis 90% und wiederholte den seltsamen Effekt. Ein normaler Micro-USB Anschluss ist zwar nicht so lässig, aber ohne Zweifel einfacher in der Handhabung.

Fazit: Die Moto 360 verschenkt den „Will haben“ Faktor auf emotionaler Seite, den sie durch Form und Design und all die guten Ideen hat durch schlechte technische Umsetzung. Mangels Geräten kann ich sie nur gegen die Sony Smartwatch vergleichen. Die hat ein biederes Design, schaut aus wie ein Fitness-Gadget mit kleinem Display, aber der Akku hält 2 Tage und mehr, sie ist immer ablesbar außer in der Dunkelheit. Man wünschte sich die Technik der Sony-Uhr im Gehäuse der Moto 360 mit Micro-USB und Qi Ladefunktion. Wir werden sehen was die neuen Motos bringen.