Das Elbhangfest 2013 – Mein lieber Schwan

P6290506Gebeutelt vom Hochwasser erlebte der Elbhang zwischen dem Körnerplatz und Pillnitz auch dieses Jahr wieder das Elbhangfest. Nun bin ich ja kein Bewohner des Hanges, da fehlt mir der eine oder andere Euro in der Tasche. Trotzdem mitten im Geschehen, eben unten an der Elbe. Das Fest ereignet sich jedes Jahr, ich hab Erinnerungen, seit dem Jahr 2000 besuchte ich es sporadisch. Ich weiß nicht, ob es damals schon Eintritt kostete, ich tendiere zu nein. Das Drachenboot-Rennen auf der Elbe, ein Feuerwerk. Verschiedene Buden die Bier und Würstchen verkaufen. So etwa stellt man sich ein Stadtteilfest vor, ein Volksfest. Gibt an anderen Stellen auch, an sich nicht weiter spektakulär. Nun hat es mich zurück nach Dresden verschlagen und direkt an den Elbhang. Eigentlich könnte man sich freuen, ist man mitten drin statt nur dabei!

Aber im Laufe der letzten 3 Jahre ist ein erschreckender Verdacht auf gekeimt. Dieses Fest ist in die Geiselhaft gutbürgerlicher, überheblicher (Pseudo)-Kulturliebhaber geraten!

Auf der Facebook-Seite des Festes machen sich Kommentare bemerkbar, die den hohen Eintrittspreis anprangern. Aufgerufen werden im Vorverkauf 9€ pro Nase für alle 3 Tage. Klingt jetzt nicht viel. Beinhaltet aber das Risiko, dass es widerliches Wetter geben kann, was einen Besuch verhindert oder wenigstens sinnlos erscheinen lässt. Dem Veranstalter gibt es Planungssicherheit, so ein Vorverkauf. Ohne diesen muss man Freitag abend 7€ zahlen, Samstag 10€ und Sonntag noch 8€. Freitags und Samstags kann man das 3-Tage-Ticket noch zum regulärem Preis von 12€ haben. Diese Preise sind nun nicht ohne. Kinder bis 13 Jahre kosten nix.

Eigentlich wollte ich kein dieses Jahr Bändchen kaufen, aber naja, bringt mich auch nicht um. Immerhin bekam ich ab Freitag abend lautstark mit, dass das Fest statt findet. Mehrere Bierbuden wurden laut von LKWs abgeladen. Das lokale Fitti hatte einen DJ aus den 90’ern besorgt und 4000MW Lautsprecher. Damit konnte er prima das komplette obere Elbtal mit Happy-Trance und Italo-Techno aus vergangenen Epochen der Kulturgeschichte beschallen. Voll fein, also tappte ich Samstag vor die Türe und schlenderte die Pillnitzer Landstrasse entlang. Hier ein Radeberger-Bierbüdchen, da ein Langos-Stand. Dann wieder ein Bierbüdchen. Dazwischen mal ein Werbestand für Dachfenster und Greenpeace war auch da. Ab und an mal ein spaßiger Verkauf von Kuchen und Kaffee aus dem Garten der Anwohner. Oder deren altes Spielzeug. Höhe Altwachwitz eine Paywall mitten auf der Strasse! Hier ist Schluss mit lustig! Ein wenig auf Freunde gewartet, die wollten/mussten unbedingt hinter die Paywall. Also den 10’er abgedrückt und froh geschaut! Im Innern der Zahlungspflichtigen Zone: 2 Radeberger Bierstände und eine Langos-Bude. Dazu sonderbare andere Waren an Verkaufsständen. In der Tat eine Art Bühne mit einer Art Musik. Doch keine Zeit, es näherte sich ein Wagen des Festumzugs! Der kam daher, stand stumm eine weile da, fuhr weiter. Ein anderer Wagen kam ebenso daher. Fuhr weiter. Mehr als 3 solcher Wagen kam in der Stunde nicht vorbei. Die Kinder waren unruhig und man entfloh der Zahl-Zone. Der Umzug war kein Umzug, es war etwas Anderes. Stand auch im Info-Blatt. Keine Ahnung, der richtige Umzug der vergangenen Jahre hatte mir besser gefallen.

Bier, Würstel und Musik gab es auch am Segelclub. Mit persönlicher Führung durch die Flutschäden-Gallerie und Erklärungen dazu. Dann langsam die Pillnitzer zurück zum Körnerplatz. Vorbei an Radeberger-Bierständen, Langos-Buden und div. Werbetreibenden der Gegend und von weiter weg. Hin zum Körnerplatz. Dort das Weindorf hinter der Paywall! Voll mit eher gebildet drein schauenden Besserverdienern oder älteren Herrschaften der hoher Anspruch durch entsprechendes Verhalten manifestiert wurde. Rein subjektiv nach der Optik zu urteilen war man hier fast unter sich. Die Leute die man eh vom Theater-Besuch kennt… Das Drachenboot-Festival hier vorn am blauen Wunder musste leider ausfallen, das Wasser war zu hoch, die Strömung zu stark. Schade, der Wassersport-Verein, Ausrichter des Drachenboot-Festivals musste die Preise, Eistorten, versteigern. Einige Attraktionen für Kinder, extra zu zahlen, offenkundig vom WSV organisiert. Mehr Radeberger Bierbuden und ein Langos-Stand! Da find es an zu Regnen und von 5h umher laufen taten auch die Füsse weh. Nach Hause und den Rest des Festes per Audio durch geschlossene Fenster mit erlebt. Sonntag früh um 8 dann der Weckruf, ungefragt vom Frühstücklauf der Dresdner Laufszene präsentiert. Die bereits anwesenden 10 Personen müssten freilich mit einem Soundsystem informiert werden, wo sie Fahrräder abgeben könnten, wenn sie welche hätten.

Nun komme ich zum Punkt dieser länglichen Geschichte: Als Anwohner finde ich es schön, ein so tolles Stadtteilfest zu haben. Ich finde es weniger schöner, dass der Verein der das Fest organisiert, es schafft ein Extra-Infoblatt für Anwohner zu drucken und zu verteilen, wo man über all die Behinderungen, Sperrungen und Einschränkungen informiert wird, es aber nicht fertig bringt, wenigstens für die direkten Anwohner einen freien Eintritt zu spendieren. Es wird vorab für das Verständnis gedankt und man kann sich eine Sondergenehmigung holen, damit man mit dem Auto ein- und ausfahren kann. Da wäre ein Bändchen doch eine nette Geste für die vielen Anwohner, die in den 2,5 Tagen damit leben müssen, dass sie bis 1 Uhr wach sind, ohnehin schwer hören oder eben Ohrstöpsel tragen müssen, wenn sie nicht von DJ Mukkefunk aus den 90’er in den Schlaf gesungen werden wollen.
Es ist klar, dass so ein Fest direkt im Stadtteil nicht ohne irgendwelche Beeinträchtigung der Anwohner laufen kann, verlangt auch keiner. Sind auch nur 2 Tage, die anderen 363 hat man dafür eine ruhige Gegend, die zu den schönsten von Dresden zählt.
Auf der Facebook-Seite verteidigen der Verein und andere Personen den recht hohen Preis mit der ewig gleichen Rede, dass ja 2h Kino mehr kosten. Was sie aber dabei vergessen: Für wen ist das Fest denn gemacht? Für Besserverdiener mit Eigentumswohnung am Hang, die alle Stücke von Wagner mit singen können? Oder ist es ein Volksfest, wo man die Gelegenheit hätte, Kunst und Kultur auch einer anderen Bevölkerungsschicht nahe zu bringen, wenn man schon auf solche Themen abstellt? Will man unter sich bleiben und errichtet eine Paywall um Teilnehmer der bildungsfernen Schichten fern zu halten? Wenn dem so ist, dann kann dies bitte auf weit weniger Raum statt finden. 3 spaßige Kultur-Tage auf dem Hang. Mit Verkostung edler Weine und Langos auf Meissner Porzellan meinetwegen.
Denn für eine Familie die 3x Eintritt zahlen soll, hier ein Bier, da eine Wurst und ein Langos fallen mal locker 50 Euros aus der Tasche. Das wird für viele nicht tragbar sein, die sind effektiv von der Veranstaltung ausgeschlossen. Ich urteile aus meiner Sicht, der ich nicht viel mit Wagner am Hut hab und das Fest nicht als kulturellen Höhepunkt für eine gebildete Elite sehe, sondern als Volksfest mit Angeboten für alt und jung im schönsten Stadtteil Dresdens. Für mich sah es ohne das ich innerhalb der Gezahlten Zone genau das vorfand, was es außerhalb auch kostenfrei gab. Radeberger Bierstände und andere Verkaufseinrichtungen und Langos-Buden. Zweifelsohne mein Problem, da ich nicht speziell wegen des eigentlichen Themas angereist war. Zudem bringen mich die 10 Euro auch nicht um, irgendeinen Guten Zweck werden sie schon erfüllt haben.

Der Punkt ist auch nicht der genaue Preis und der Gegenwert, den jemand für erbracht hält, sondern die ignorante und überhebliche Haltung, die sich in den Kommentaren an der Kritik zeigt. Wie wäre es denn, wenn die so hochwertigen Kulturellen Veranstaltungen, die vielleicht nicht alle 300 Stück jedermanns Geschmack treffen für sich Eintritt kosten und der Rest durch Standgebühren/Sponsoren gedeckt wird. Können die großen Sponsoren mal einen Schein mehr auf den Tisch legen? Würde mehr Besucher anlocken, die mehr konsumieren und vielleicht kann man dem ein oder anderem auch Kultur nahe bringen die nicht 90’er Italo-Techno ist. Wenn man das will…