Google+ – Die ersten Schritte

Heute morgen wurde bekannt, dass Invites zur Beta von Google+ im Umlauf wären. Natürlich kontaktierte ich gleich einige Menschen, doch der nähste Treffer war sowas wie „Ja, da bist Du zu spät dran, letzte Woche konnte man Tester angeben…“. Traurig widmete ich mich meinem Tagewerk. Dann jedoch, nach dem Mittagessen ergab es sich, dass durch eine russische Connection doch ein Account ergattert wurde. Es wurde ein Fehler ausgenutzt, der es erlaubte, einfach Menschen in einen Circle zu geben und dann dort was zu posten. Das schickte eine Mail an alle Kontakte im Circle. In dieser war ein Link enthalten um den Beitrag zu betrachten. Das sorgte dafür, dass man an eine Aktivierung des Google+ Bereichs kam. In wenigen Sekunden war das ganze Büro eingeladen und die Ersten Schritte in Googles neuem System wurden gemacht.

Zuerst muss man erklären, was Google+ eigentlich ist. Es scheint sich um den lang erwarteten Social-Network-Ansatz von Google zu handeln. Im Gegensatz zu Facebook, welches ein Soziales Netzwerk ist, was einige Features hat, handelt es sich bisher bei Google um große Mengen von Features, die nur lose verbunden sind. Google hat im laufe der Zeit viele Dienste gekauft und viele andere Dienste selbst entwickelt. Diese sind über einen einzigen Google-Account nutzbar, aber nicht direkt miteinander verbunden. Dies wird sich jetzt wohl ändern. Facebook könnte wie MySpace, die VZ-Netze und andere Dinge anfangen zu verblassen und am Ende halb leer da stehen.

Im Moment hat Google die Dienste Googletalk (Chat, Voice und Video), Picasa (Bildergallerien) und Stücken von Google-News, ein wenig Youtube und viele neue Sachen zusammen gesteckt. Herz des Systems sind die Circles. Das sind einfach Gruppen oder Freundeskreise. Man ordnet seine Freunde in solchen Kreisen an, es gehen auch mehrfache Zuordnungen. Fortan kann man entweder bestimmte Dinge nur in diesen Kreisen teilen oder diese gezielt lesen. Man kann Bilder teilen, Links teilen und auch „einchecken“. Der Like-Button ist der +1 Button. Soweit alles bekannt. Die Kreise erlauben aber eine bessere Steuerung, wer welchen Inhalt bekommt und welchen man lesen will. Man kann mit Freunden chatten.

Besonders ist das „Hangout“ genannte Feature. Ein Bereich, wo man einen Videochat starten kann. Im Browser und mit mehreren Freunden. Das ist schon mal eine Super Sache, aber es gibt eine weitere. Es ist da ein Youtube-Button. Man kann in der Gruppe also zusammen Videos schauen. Das wird sicher ab und zu ein Spaß werden :)

Das Design ist nett, man will fast nicht glauben, dass es sich um ein Google-Produkt handelt. Frisch, massiv dynamisch mit Javascript und Ajax an allen Stellen. Minimalistisch, kaum Farben. Sehr freundlich alles. Aber eigentlich eine Kopie von Facebook. Aber warum nicht.

Was es zu einem Erfolg machen könnte: Wie heute zu sehen war, man kann sehr einfach seine Freunde einladen, wenn man das Mail-Feature aktiviert. Dann werden Inhalte an alle Kontakte im Kreis per Mail geschickt, wenn es Kontakte gibt, die keinen Google+ Account haben. Wenn diese nun den Link klicken, werden sie einen Account anlegen oder einfach einen vorhandenen nutzen. Zack, sind sie im System. Der nächste Punkt ist die schwarze Leiste in allen Google-Produkten. Dort erscheinen auch die Meldungen/Notifications von Google+. Das sorgt dafür, dass man bei jedem Besuch einer Google-Seite diese wahrnimmt. Das könnte dafür sorgen, dass die Interaktionen sehr viel häufiger statt finden als bei anderen Systemen. Die müsste man extra aufrufen. In Unternehmen werden diese häufig gesperrt. Die Google-Suche kann man aber schlecht sperren und diese wird auch sehr häufig genutzt. Google-Produkte zusammen haben sicher eine höhere Nutzerzahl und werden mehr aufgerufen als andere Soziale-Netze.

Weiterhin ist es bisher nicht möglich, irgendwelche Feeds oder andere Applikationen zu verbinden. Alle Inhalte sind also explizit gepostet. Keine RSS-Feeds von Blogs, keine automatischen Postings von anderen Seiten. Es gibt wohl auch keine Fan-Seiten von Unternehmen. Wenn das so bleibt, könnte es sich um ein echtes soziales Netzwerk handeln. Facebook wird von den schlauen Marketing-Menschen bereits so massiv zur Werbung genutzt, dass es bald kein soziales Netz mehr sein wird, nur noch Werbebotschaften und nutzloses Zeug. Sicherlich wird sich auch Google dem Druck beugen müssen, irgendwann, aber vielleicht mittels der Sparks, die dafür geeignet erscheinen.

Es gibt bereits eine Android-Applikation, die ich gleich mal ausprobieren werde. Eine iPhone-App ist in Vorbereitung und eine mobile Version der Seite existiert. Die tut es zur Zeit, aber Push-Benachrichtigungen und direktes Sharing von Bildern aus dem Gerät muss noch her. Im Google-Browser wird eine Integration nicht lange auf sich warten lassen, hoffe ich. Dann braucht es keinen extra Browser, sondern der ohnehin ziemlich coole Browser hat auch Google+ integriert.

Alles zusammen strahlt im Moment im Licht des Neuen. Alles ist noch frisch und teils unbekannt. Es muss sich zeigen, wie Google die Chance nutzt, hier ein neues System zu etablieren. Mit der Macht seiner vielen Nutzer und den Möglichkeiten die ein eigenes Mobil-Betriebssystem für Telefone und Tablets, ein eigener Browser und unglaubliche Mengen an Programmierern sowie die sicherlich größte Infrastruktur weltweit bieten, sollte es nicht schwer sein, ein deutliches Zeichen zu setzen. Damals konnte auch keiner ahnen, dass ICQ mal leer sein würde, MySpace auf dem Flohmarkt an irgendwelche alternden Popstars verkauft werden würde und die VZ-Netzwerke entvölkert werden. So könnte es kommen, dass auch Facebook verschwinden wird.