Selbstmörder auf dem blauen Wunder – Verkehrschaos

[Bild nicht gefunden] Gestern, am 15.7.2011 schaute ich in der frohen Erwartung einen Feierabend zu sehen aus dem Büro-Fenster. Da sah ich ein Polizeiauto, welches die Fahrbahn auf das blauen Wunder in Richtung Loschwitz sperrte. Das allein ist nicht ungewöhnlich, da dauernd irgendein Sondersignal über die Brücke oder den Schillerplatz muss. Hier ging jedoch etwas Besonderes vor. Wenig später gesellte sich der Notarzt und ein Krankenauto dazu. Die Fahrspur war komplett gesperrt, auch keine Busse mehr. Nach und nach erschienen mehr Einsatzkräfte. Mehr Polizei und Feuerwehr. Gegen 18.oo Uhr wurden die 2 Fahrspuren in Richtung Blasewitz gesperrt. Für Fussgänger ging zu dem Zeitpunkt noch der Fussweg zu nutzen. Eine Kollegin flüchtete zu diesem Zeitpunkt panisch und rief, sie müsse auf die andere Seite.Polizei am blauen Wunder

Später, als ich dann Richtung der Brücke lief, war klar, keine Busse, kein Verkehr. Als ich zum Ort des Geschehens vor gedrungen war, gab es auch eine Neuigkeit: Auch der 2te Fussweg sei gesperrt. In der Aufregung stolperte ich durch die Einsatzwagen und suchte eine Auskunft zu erlangen. Ein Selbstmörder würde auf der Brücke umher turnen und daher der Einsatz. Alles klar. Vom Schillergarten aus konnte man halbwegs sehen was vor sich ging. Ein junger Mann ohne Haare hielt sich ein Messer an den Hals und sprach mit den anwesenden Personen. Diese müssten Ärzte und Psychologen der Polizei gewesen sein. Unter der Brücke, auf dem Parkplatz, der ebenfalls gesperrt war, ein Sprungkissen der Feuerwehr. Soweit zum Geschehen. Da ich keinerlei Lust verspürte, trotz aller Sensations-Geilheit, die man ja irgendwie entwickelt, der Selbsttötung einer verwirrten Mannes bei zu wohnen, entfernte ich meinen Körper auf der Suche nach einem Heimweg.

Fähre In der Zwischenzeit hatte sich mein Kumpel der eF eingefunden. Ebenfalls am Weg über die Brücke leistete er mir Gesellschaft bei der Wegfindung. Ebenfalls schaute der Tino kurz vorbei. Der wollte seine „Tour de Dresden“ mitten durch den Großeinsatz machen. Wir schlenderten zurück zur Haltestelle, fuhren zur nächsten Fähre, setzen über die Elbe und trennten uns da. Ich hab noch keine Nachricht, ob der eF den Aufstieg zum Fernsehturm geschafft hat oder ein vorgeschobenes Gipfel-Lager einrichtete und die Nacht allein und frierend oberhalb der Baumgrenze verbrachte. Ich hockte dumm an der Haltestelle, lief dann mal los, in der Hoffnung eine 63 zu erwischen. Diese kam dann auch und fuhr mich nach Hause. Aus der Presse kann man entnehmen, dass der Mann erst gegen 22:15 Uhr von Spezialkräften überwältigt werden konnte. Er ist am Leben und in eine Psychiatrie verbracht worden.Einsatz am blauen Wunder

Weitere Quellen: Dresden-Fensehen, SZ-Online, DNN

Die Geschichte an sich ist schlimm. Was kann einen 22jährigen Mann zu solchen Vorhaben bringen. Irgendwelche Kommentare, er sollte das machen oder lassen und dann zu einer Zeit die nicht Freitags zum Feierabend ist, sind albern und waren trotzdem oft zu hören. Hier handelt es sich um schlimme Probleme oder Verwirrung. In beiden Fällen ist das kein bisschen lustig. Die Sperrung der ganzen Brücke ist richtig gewesen und meiner Meinung nach hätte das Gelände mit mehr Personal viel weiträumiger geräumt werden müssen. Kann ja nicht sein, dass man vom Schillergarten aus mit einem Bier in der Hand und einer Wurst auf dem Teller praktisch live bei einer Tragödie dabei ist. Die Geschichte zeigt aber auch, wie anfällig eine so große Stadt am Fluss gegenüber Sperrungen von Brücken ist.

Die Buslinien über das blaue Wunder waren unterbrochen, die Linie 63 wurde am Körnerplatz zur Linie 61 um noch Verkehr nach Bühlau zu ermöglichen. Die Zufahrtsstrassen von den oberen Stadtteilen zum Körnerplatz (genau 3) waren sicher stadteinwärts komplett bis auf den Berg zu gestaut. Der Verkehr auf der anderen Seite musste über die Neustadt und Bautzner Landstrasse ausweichen. Oder einen Umweg von 30km in Kauf nehmen und über Pirna fahren. Eingeweihte hätten die Autofähre genommen in Pillnitz. Eine kleine Fähre die nicht genügend Kapazität hat, um den Verkehr der Brücke auf zu nehmen. Hier wird also deutlich, dass der Bau der Waldschlösschen-Brücke notwendig und richtig ist. Die Lösung mit 3 kleinen statt der einen großen Brücke wäre vielleicht noch besser gewesen. Es ist fast unvorstellbar, dass eine Stadt mit 500.000 Einwohnern und vielen Pendlern aus dem Umland über so wenig Brücken verfügt. Viele der Brücken sind zudem bereits nicht mehr 100%ig belastbar. Hier noch eine Karte, die die Situation verdeutlicht.

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