Chromebook Experiment

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Ein Experiment. Neulich in Berlin, re:publica 2013 wurde veranstaltet. Man grübelt ja immer, welche Gadgets man auf so ein Event mit nimmt. Brauchen wird man genau keins, ein Smartphone reicht vollkommen. An sich will man ja den Vorträgen lauschen und nicht permanent das Interweb checken. Aber auf der anderen Seite muss man auch einen auf nerdy Netzmensch machen. Okay, die Veranstaltung hat sich dahingehend geändert, aber das ist eine andere Geschichte. Wie kam ich zum Chromebook, was kann das? Das will ich beschreiben.

Ich entschied mich gegen eine Tasche voll Tablets, aber für das wieder erweckte Lenovo Ideapad S205. Das hielt ich für ein kleines, mobiles Gerät, was man rumtragen kann. Mir gelang es kürzlich, Ubuntu drauf zu installieren und ich sah mich gerüstet. Angekommen in der Ferienwohnung in Kreuzberg, welches bis zu Unkenntlichkeit verunstaltet ist, was aber auch eine andere Geschichte ist, packte ich den Technikhaufen auf den Tisch. Yeah. Akku leer. Ding dauernd am Lüften und komisch träge. Da hab ich schon eine SSD rein gerüstet, aber das macht es fast schlimmer als besser. X.org und irgendwelches Gelump dauernd auf 100% CPU, Load bei 3,5 die ganze Zeit. Was soll denn das? Bevor ich mich zu einer Kur entschied und andere Fenster-Manager installierte, verlor ich die Geduld mit der Kiste. Läuft mit WindowsXP ganz okay, Windows 7 geht auch so halb, aber das war’s dann auch.

Also spontan von der re:publica weg gelaufen und in den Berliner Cyberport auf der Friedrichstrasse rein gerannt. Hallo Guten Tag! Ein Chromebook bitte. Danke. Auf wiedersehen! So geschah es also, dass ich ein Chromebook von Samsung, genauer das Samsung 303C12 A01 Chromebook kaufte. Leider kommt das in einem viel zu großem Karton daher, daher gleich in die Wohnung getragen. Ausgepackt und angeschaltet. Bootet echt in 10 Sekunden. Google Account rein getragen, fertig. Nach einer kleinen Weile sind alle Daten aus dem Chrome synchronisiert. Passwörter, Cookies, URLs, Lesezeichen, alles da. Anwendungen auch. Ziemlich fein. Derweil kann man das Gerät beschauen.

imageSehr dünn! Okay, das allein haut heute ja keinen mehr vom Hocker, im Vergleich zum Lenovo aber erfrischend. Voll aus Plastik, die aussieht wie Alu. Samsung eben. Schaut nicht echt aus wie Aluminium, aber für den Preis ist die Verarbeitung okay. Es ist ja auch total leicht, 1100g. Für das was es tun soll, ist Plastik passabel, glaube ich. Das Display ist suspekt auf der Oberseite des Gehäuses fest gemacht. Was sonderlich wirkt macht Sinn, denn alle Anschlüsse sind hinten. Außer SD-Karte und Kopfhörer. Hinten findet man 2x USB, einer davon kann USB3. Dazu HDMI und den kleinen Port für Strom. Es gibt eine Klappe hinter der die SIM-Karte Platz findet, wenn man das Model mit 3G kauft. Hab ich nicht, was sich vielleicht bald als Fehler raus stellen könnte. Tethering mit dem Smartphone geht immer… Innen eine Tastatur, die nicht schlecht ist. Diese Zeilen werden damit geschrieben, geht ziemlich gut. Also angenehmes Schreiben, Tasten groß genug. Es gibt eine Hand voll spezieller Tasten, dafür keine F-Tasten. Aber eine Reload-Taste und eine Suchtaste. Keine Windows-Taste, wer hätte das gedacht. Unter der Tastatur ein recht großes Touchpad. Dies kann die üblichen Mehrfinger-Gesten. Scrollen mit 2 Fingern, Rechtsklick mit 2 Finger. Kennt man vom Mac und inzwischen auch vom Windows. Mit 3 Finger quer streichen wechselt durch die Tabs. Nett. Ein Skandal ist das Netzteil. Wie von Windows-Notebooks bekannt ein Klotz mit einem dicken Kabel und einem dünnen Kabel. Warum kann man nicht ein Steckernetzteil hin tun, wenn man einen extrem mobilen Computer herstellt? Ich muss forschen, ob es sowas als extra Zubehör gibt. 40W mit 19V und fertig. Im Innern werkelt ein Samsung Prozessor, der aus dem Nexus 10 bekannt ist. Der Exynos 5250. Ein ARMv7 Prozessor mit 2 Kernen der mit 1.7 GHz läuft. Ein Mali T604 Grafikprozessor steht dem zur Seite. 2GB RAM sind verbaut. Dazu kommen 16GB Speicher. Akku soll 6,5h halten, tut er auch so halbwegs, kommt es mir vor. Das Display löst 1366×768 Pixel auf. Es ist matt, was sehr fein ist. Die Helligkeit reicht gerade mal so, um draußen im Sonnenschein noch was zu erkennen. Es könnte heller sein! Das mit LEDs beleuchtete Display ist leider kein IPS, daher ist der Betrachtungswinkel nicht so super groß. Aber normal hockt man ja davor und da ist es ausreichend bis gut, vor allem weil es nicht spiegelt. Bluetooth ist am Start. WLAN kann auch 5GHz. Ein SD-Kartenleser an der Seite. Kamera für Videotelefonie. Soweit alles gut. Ein weiterer Vorteil: Es ist vollkommen lautlos. Keine Lüfter! Da es nicht so die riesige Performance am Start hat, geht das auch fast immer gut. Nur eben beim Schreiben dieses Artikels in der Sonne auf dem Balkon schaltete es plötzlich ab. Wohl wegen Überhitzung.

Die Software! In der Tat findet man einen Chrome-Browser vor, der eigene Hardware bekommen hat. Das sagt auch der Name aus. Ein Chromebook. Der „Desktop“ ist ein Stück Chrome, alle Settings finden sich im Chrome. Also im Grunde ein Browser der ein paar Erweiterungen wie einen Dateimanager bekommen hat. Aber das ist ja auch Sinn der Sache. Es geht hier nicht drum, irgendwelche Betriebssysteme oder Dinge laufen zu lassen, es handelt sich um ein 100%iges Cloud-Gerät. Daher bekommt man auch pro Gerät 100GB Speicherplatz im Google Drive für 2 Jahre dazu. Beim „Pixel“, dem Retina-Chromebook bekommt man 1000GB, also ein Terrabyte dazu! Alle Dokumente, Bilder und andere Dateien sollen online in der Cloud liegen. Das Chromebook führt nur Chrome-Apps aus. Punkt. Innen werkelt freilich doch ein Linux, wie man mit Strg+Alt+T leicht erkennen kann. Dann geht nämlich eine Debug-Shell auf. Als Chrome-Tab konsequenter Weise. Chrome OS, so der Name des Betriebssystems kennt seit neustem aber auch packaged Apps. Das sind „Apps“, die in außerhalb des Browsers laufen können. Sonst bekommt man einen vollwertigen Chrome, mit Flash und allem was man vom „richtigen“ Rechner kennt. Nun muss man her gehen und suchen, welche Apps den alle in der Cloud, im Interweb laufen. Das sind erstaunlich viele, wenn man genauer hin schaut. Spotify rennt als Webplayer in einem Tab. Google Mail und Co, eh klar, die gehen top. Aber auch alles mögliche Andere lässt sich mit einer Online-Lösung bewerkstelligen. Erstaunlich, wie lange man mit einem Browser als einzigem Programm klar kommt. Will sagen, programmieren und dererlei Dinge werden wohl auch irgendwie gehen, aber keinen Sinn machen.

Die Positionierung eines Chromebooks als Zweitrechner und/oder mobilem Begleiter für all die Online-Dinge wird erreicht. Es gibt ständige Entwicklung, genau wie beim Browser gibt es einen Beta und einen Dev Kanal, dann kommt man zeitig in den Genuss neuer Features. Google Now, Android-Applikationen… Man weiß nicht, was die Zukunft bringt.