Smartwatches

PiWatchNachdem Apple nun die Apple Watch verfügbar gemacht hat, gibt es einige Spieler auf dem Markt der schlauen Uhren. Ich hab einige davon getragen.Generell stellt sich zuerst die Frage: Wozu das? Dazu kommt früher oder später die Erkenntnis, dass eine Uhr immer zu sehen sein wird. Praktisch handelt es sich weniger um ein Gadget, vielmehr irgendwie um Schmuck. Ein sehr viel mehr persönlicheres Gerät als ein Telefon, was 80% der Zeit in der Tasche steckt. Irgendwann trifft man Menschen, die außerhalb einer Android, Apple oder wie auch immer nerdig gearteten Blase leben. Die werden dann fragen, was man da für ein technisches Detail am Arm trägt. Dann sollte man in der Frage des Wozu schon weiter gekommen sein als nur: Weil es das gibt und ich es kann!Am Ende ist es ein persönliches Device und auch die Gründe eines davon täglich zu tragen sind persönlich. Daher stellt das hier meine persönliche Meinung dar. Ich hatte eine frühe Version der Sony Smartwatch. Die allererste, liegt noch irgendwo im Schubfach. Damals gab es noch ein Bluetooth Low Energy. Der Akku vom Telefon war schnell leer, wenn das Telefon nicht gleich abstürzte, wenn es die Verbindung verlor. Ich hab da nie viel mit getan, aber die Idee war klar. Ich glaub Sony hat da genau 3 Stück davon verlauft, eines an mich. Dafür kostete das Ding auch nur 43€. Später kam die Sony Smartwatch 2 dazu. Praktisch der Vorgänger der aktuellen Smartwatch 3 mit Android Wear. Das Gerät hatte schon so ziemlich alle Features, die man sich von einer Smartwatch damals wünschen konnte. Es gab Apps, jeweils eine spezielle für je einen Anwendungsfall. Also eine für Mail, eine für GMail, eine für SMS und so weiter. Dazu gab es diverse kleine andere Apps. Man konnte am Ende Watchfaces in gerigem Maße selbst designen. Und es gab eine App, die alle Benachrichtigungen aufgenommen hat. Das führte zu doppelten Benachrichtigungen und bot eingeschränkte Funktionalität, weil eben keine speziellen Funktionen für eMails oder Whatsapp Nachrichten. Die Uhr läuft 5 Tage ohne geladen zu werden, es gibt das transreflexive Display. Also man kann in der Sonne was ablesen und auch ohne Beleuchtung was sehen. Dann kam Google und kündigte Android Wear an. Ein Betriebssystem für Uhren. Voll integrierte Benachrichtungen, Google Now und allerlei Dinge. Große Freude aller Orten.

Kurz darauf meldete auch Motorola (inzwischen Lenovo, dazwischen mal Google), dass es eine Uhr mit Android Wear raus bringen will. Es gab ein paar Render-Bilder und die Fandroidler zucken reihenweise aus. Zur echten Vorstellung war das Motorola Gerät, die Moto 360 aber nicht fertig, nur LG und Samsung hatten schon Geräte fertig, die man kaufen und verwenden konnte. Die zum Start von Android Wear verfügbaren Uhren hatten ein rechteckiges Display. Die Moto 360 ist sozusagen die erste runde Smartwatch. Das hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, ohne Zweifel. Allerdings zeigte sich nach dem Erscheinen der Uhr, dass Motorola/Google/Lenovo ein paar schwere Fehler gemacht hat. Der erste sichtbare ist der “Platten”. Das Display ist nicht wirklich rund, unten gibt es einen Bereich der immer schwarz ist. Das wird begründet, dass dort die Steuertechnik für das Display drinnen ist. Unter anderem der Lichtsensor, der die Helligkeit regelt. Keine Ahnung, ich hab das Gerät im Mediamarkt angezogen, ich könnte mit dem Flat Tire nicht leben, es gibt ein oder 2 Watchfaces die den schwarzen Bereich kreativ nutzen, aber alle (!) anderen schauen versaut aus. Punkt. Dazu hat Motorola einen uralten OMAP Prozessor verbaut. Der ist nicht nur nicht Energieeffizient, er kann auch einige mordern Konzepte nicht. Sensor-Stacking etc. Schaut man in den Support-Foren der Apps die die Sensoren nutzen, schaut es grauslig aus, Akku in der Nacht leer, wo andere Android Wear Uhren nur 4% verlieren. Dazu schaut die Uhr “komisch” aus. Das ist subjektiv, klar. Aber ich sah sie im Laden an mir und eine im echten Leben auf einem dünnem Arm. Optisch nicht gelungen. Land auf, Land ab kümmert diese ernsten Dinge die Enthusiasten aber genau gar nicht. Das Produkt wird gekauft und gelobt, als ob es keine LG R gäbe und Motorola hier irgendwie das Rad neu erfunden hätte. Man muss sich nur mal das Bild anschauen, mit dem versucht wird, die goldene Moto 360 zu verkaufen (!):

Macht einen starken Eindruck, bis man den Plattfuß unten sieht. Das nervt auf Dauer, sicher! Subjektiv wie gesagt. Man kann inzwischen also bei Android Produkten was wählen von LG, Asus, Motorola, Sony und Huawaii zeigt auch eine schicke Uhr. Kommt man unweigerlich auf das Betriebssystem dieser Uhren: Android Wear. Meiner Meinung nach wie so vieles von Google auf den Markt geworfen und nicht zu Ende gedacht. Hauptsächlich stellt das auf die Google Now Engine ab, die funktioniert brauchbar aber nicht in anderen Ländern als den USA und ohnehin nur richtig, wenn man Mails über GMail empfängt. Ich hab mich dazu schon ausgelassen. Benachrichtigungen werden auf den runden Displays teils abgeschnitten. Viel mehr muss man dazu nicht sagen. Das ist eigentlich nicht zu akzeptieren wenn man 300 Euro für das Gerät im Laden lassen soll. Zudem sind die Anwendungsfälle nicht definiert und teilweise nicht vorhanden. Benachrichtigungen vom Telefon werden still auf der Uhr gemeldet. Das funktioniert und ist der Anwendungsfall, den man nutzen will und kann. Ich spreche in die Uhr: “Ok Google! Setz einen Timer auf 30 Minuten.”. Funktioniert, kann man machen, wenn man allein in der Küche steht und einen Timer braucht. In allen anderen Situationen wird man sozial geächtet werden. Allein, dass man “Ok Google” sagen muss. Es gibt inzwischen einen Haufen Apps, 90% davon sind Verlängerungen von Apps auf dem Telefon und zeigen die Meldung der Telefon-App an der Uhr an. Irgendwie spezieller als die normale Wear Benachrichtigung. Hmm,… Am Ende zeigt sich, zumindest für mich, eine Uhr soll die Zeit anzeigen – immer – und wenn sie ab und zu eine Benachrichtigung zeigt, cool.

Nun sind fast alle dieser Uhren mit Sensoren für irgendwelche Aktivitäten ausgestattet. Schrittzähler, Pulsmesser und zum Teil GPS. Leider zeigt sich, diese Sensoren sind Beiwerk und zählen irgendwas, aber keine verlässlichen Werte. Im Falle der Sony SmartWatch 3 trug ich die Uhr und an der anderen Seite ein Fitbit.  Die Schritte waren nie gleich oder überhaupt nur vergleichbar. Es gibt keinen Offset, man könnte sagen, die Uhr zählt immer 15% weniger, das wäre auch ok, stimmt der Trend. Aber nein, an einem Tag zählt die Uhr fast die gleichen Schritte, am nächsten die Hälfte. Ich nutzte die Sony Lifelog-App, die UP und Google Fit. Alle 3 Programme ermitteln aus den Daten der Sensoren auch noch verschiedene Werte! Es gibt keinen permanenten Puls zum Messen, das GPS zieht den Akku in 2h kompett leer. Also alles nichts, was man als Fitness-Device verlaufen wollen würde. In dem Bereich auch fail. Da sit die Pebble übrigens auch nicht besser, allerdings stimmt hier die Tendenz. Die Schritte sind weniger, aber immer gleich weniger. Die Aussage: Viel gelaufen oder wenig gelaufen stimmt also zumindest. Für Sport-Messungen nutzt man also besser spezielle Fitness-Bänder oder gleich Sportuhren.

Die Basis Funktion einer Uhr sollte sein, die Zeit anzuzeigen. Dies gelingt ebenfalls nur teilweise. Was eigentlich auch nicht hinnehmbar ist. Mit Ausnahme der Sony SmartWatch 3 leuchten alle Uhren oder zeigen einen schwarzen Bildschirm. Es gibt eine fancy Technik, die das Display aktiviert, wenn man die Uhr so bewegt, wie wenn man sie vor das Auge hält. Funktioniert in den meisten Fällen, vor allem im Auto, wenn man den Arm am Fensterrahmen ablegt. Die OLED Displays halten den ganzen Tag, auch mit ständig aktiviertem Display. Den am Ende schaut man auf die Uhr auch mal von der Seite, ohne die entsprechende Bewegung. Uhren mit LCD halten kaum mehr den Tag durch mit ständiger Zeitanzeige. Komische Sache bei einer Uhr…

Alle Uhren außer der Pebble haben einen Touchscreen. Klingt nützlich, ist es zum Teil auch, wenn man aktiv mit der Uhr beschäftigt ist. Da kann man Dinge weg schieben, Sachen tippen und so weiter. Aber was, wenn die Uhr den Touchscreen von der “zum Gesicht führen” Geste aktiviert wurde und sinnlos Eingaben entgegen nimmt? Wenn man sie auf den anderen Arm legt? Dann führt die Uhr sinnlose Aktionen aus, hört zum Teil auf Kommandos und leuchtet in den unpassenden Momenten. Da komm ich mit den 4 Knöpfen der Pebble besser klar.

Zusammenfassend komme ich also auf das Fazit: Die Smartwatches von heute sind Tech-Demos. Ihre Daseinsberechtigung ist abgesehen von “weil es geht” nicht ganz definiert. Sie schauen schon sehr nerdig aus. Es sind Geräte die mindestens aller 2 Tage geladen werden wollen. Am Ende gerät man in Erklärungsnot, wenn man darlegen soll, warum man bis 400 Euro für eine solches Gerät raus gegeben hat. Ich meine, man muss warten, bis sich der Markt und die Technik konsolidiert haben.