Asus Vivo Tab RT – Windows 8 zu Besuch

Die Windows 8 Euphorie der letzten Tage weckte den Wunsch, ein Windows Tablett zu benutzen. Nach der Installation von Windows 8 Pro auf dem Asus Zenbook Prime, welche vollkommen problemlos war und dem Experiment, Windows 8 im Alltag zu benutzen, welches erstaunlich gut funktioniert, war die abgespeckte Windows RT Version eine Betrachtung wert. Recherchen im Netz ergaben, dass das Vorzeige-Gerät, das Microsoft Surface nicht so die Offenbarung ist. Es fehlen ein paar Features, die man in einem mobilen Gerät haben will. Sehr viele andere Optionen hat man noch nicht, als voll ausgestattet empfand ich das ASUS VivoTab RT. Hier findet sich alles verbaut, was man heute erwartet. Was genau, wie es ging und warum es nur zu Gast war…

Die technischen Spezifikationen sind:

  • 10,1″ Display mit 1366×768 Pixeln
  • NIVIDA Tegra 3 CPU mit 4 Kernen und 1,3GHz
  • 12 Kern Grafikprozessor
  • 2 GB RAM
  • 64GB Speicherplatz
  • WLAN, Bluetooth, GPS, NFC
  • MicroSD Leser im Tablett
  • 8MP Kamera mit LED Blitz, 2MP Frontkamera
  • 8,3mm dünn, 525g leicht
  • 8h Laufzeit, 16h mit Dock

Es gibt das Tablett mit und ohne der Dockingstation, die es zu einem Netbook macht. Es gibt hier eine Tastatur und einen weiteren Akku dazu. Einen USB-Anschluss, ein Touchpad. Dafür ist es aus mit „dünn“ und „leicht“. Muss man aber nicht dazu nehmen. Wenn man das braucht, kann man auch eine Wedge Touch Mouse und eine Wedge Tastatur vom Microsoft dazu shoppen, dann hat man keine zusätzliche Akkuleistung, dafür aber flexiblere Eingabegeräte. Die Hardware und die Verarbeitung derselben ist hervorragend. Das Gerät ist in der Tat sehr leicht und sehr dünn. Man kann es ohne Probleme mit einer Hand halten. Das Display hat nicht ober-Auflösung, das fällt aber bei der Verwendung gar nicht auf. Display reagiert immer sehr gut auf Berührungen und es scheint, als wäre ein Wacom Digitizer verbaut, der mit einem geeigneten Stift 1024 Druckstufen erkennen kann. Das ist auf den ersten Blick nicht spektakulär, auf den zweiten aber grandios. Damit kann man handschriftliche Notizen und Zeichnungen erfassen und dem Tablett ganz neue Einsatzgebiete verschaffen. Wäre zu klären, wo man so einen Stift her bekommen und wie das mit Treibern funktioniert. Ich testete kurz einen beliebigen Stift eines Wacom Bamboo’s, da tat sich gar nix. So einfach ist es wohl nicht. Zusammenfassend kann man sagen, Asus hat ein sehr edles Stück Hardware gebaut, dem Transformer Android Tablet sehr ähnlich. Man kann alles anstecken und benutzen, was man kennt. USB, Micro-HDMI und so weiter sind natürlich auch am Start.

Der eigentlich Punkt ist die Software. Windows 8 RT. Booten ist in wenigen Sekunden erledigt. Es scheint das Windows Startbild auf. Wie am PC oder Laptop. Die Bedienung per Touch ist erwartungsgemäß eine Freude. Die Kacheln und Gesten von Windows ergeben hier komplett Sinn. Es gibt die Microsoft-Apps die man erwarten würde. Kontakte, Mails und Kalender, Wetter, Aktien und das News/Bing Gelump. Office 2013 RT ist installiert, es verlangt direkt nach einem Update, dann steht da auch kein Preview mehr dran. Bemerkenswert ist, die Office-Programme sind keine Metro-UI-Apps, sondern werfen den Nutzer auf den „Desktop“. Den gibt es auch unter Windows RT. Spätestens hier fällt es dem neuen Benutzer wie Schuppen aus den Haaren. Das Gerät fühlt sich in der Bedienung nicht an wie ein Tablett, mehr wie ein PC/Laptop. Komisch zu beschreiben, aber ein iPad oder Android Tablett wird nicht als eigenständiges, „komplettes“ Gerät wahr genommen. Es ist ein Tablett. Man kann Medien konsumieren und Spiele spielen. Man kann im Web browsen. Man kann versuchen damit produktiv zu arbeiten. Aber so richtig mag das nicht gelingen, wenn man nicht unter „Arbeit“ versteht, dass man im Starbucks hockt und zum unfair gehandelten Kaffe-Surrogat „was mit Medien“ macht. Mails schreiben und beantworten und so weiter geht gut, klar. Im Web umher surfen und Informationen konsumieren, kein Problem. Aber immer hat man das starke Gefühl, dass man eben mit dem Tablett unterwegs ist und nur ein Subset der Möglichkeiten hat, die man am Laptop hätte. Das ist beim Windows Tablett irgendwie anders. Nach kurzer Zeit macht es vergessen, dass es praktisch nur ein Display ist. Die Office Programme erledigen ihre Aufgabe normal wie am Laptop. Die Desktop-Version vom IE10 geht wie sonst auch. Alles vermittelt den Eindruck, einen PC zu bedienen, mit all den Möglichkeiten. Dazu tragen auch Dateimanager bei, es gibt ein Laufwerk C: und dort ein Verzeichnis „\Windows“. Das lässt auch den immensen Speicherbedarf des Betriebssystems und der Applikationen leicht relativ aussehen. Man erwartet nicht, dass Windows in 257MB passt und man direkt Office da noch drinnen hat. Die Kläger und Hater im Interweb, die aktuell dagegen vor gehen, dass das 32GB Gerät praktisch nur 16GB leeren Speicher hat, tun das vermutlich aus anderen Gründen. Diese stellen sich nämlich nach 2 Tagen in den Vordergrund.

Man hockt nun glücklich vor dem neuen Gadget und sieht sich an Kacheln satt. Man startet dieses und jenes Programm. Man ist erfreut, dass die Synchronisation von Einstellungen und Daten über Windows so dermaßen leicht und transparent geht, dass man geneigt ist, dies in die Welt zu rufen und alle iOS und Android Tablett-Nutzer auf der Stelle zu missionieren. Dann plötzlich kommt man auf die Idee, dass man Chrome oder den Totalcommander braucht. Doch da ist das Ende der Herrlichkeit der RT Platform erreicht. Die normalen x86 Programme laufen hier nicht, obwohl doch der Desktop-Modus genau dies zu versprechen sucht. Chrome gibt es nicht für ARM, Totalcommander nicht und praktisch keine andere gewohnte Applikation. Es laufen die Metro-Apps. Diese kommen aus dem Windows Store. Sie laufen im Vollbild und schauen alle ganz nett aus. Wozu das Tablett einen Desktop Modus braucht, stellt sich nun plötzlich in Frage. Also auf in den Store. Das Stück Software ist die Sollbruchstelle der Windows Platform im Moment. Aus diversen Berichten weiß man unterschwellig, dass der Store quasi leer ist. Das wird sich sehr schnell ändern, aber aktuell schaut man plötzlich dumm auf den Laden. Zudem ist die Store-Anwendung ein Verbrechen gegen die Benutzbarkeit. Der App-Store im iOS und Mac bietet viele Wege, sich durch die Anwendungen die verfügbar sind zu hangeln, immer neue Vorschläge lassen immer mehr Anwendungen erscheinen, die man dann haben will oder auch nicht. Der Windows Store hat ein paar Abteilungen und dort 3 Programme die irgendwie empfohlen sind. Dazu gibt es einen Button „kostenlose Highlights“ oder so. Egal wo man hin tappt oder klickt landet man auf winzigen Kacheln mit Programmnamen. Näher Informationen sucht man vergebens. Man kann die Programme tappen oder klicken und erhält dann die Infos. Es gibt dort aber keine Bereich „ähnliche Apps“ oder „andere Nutzer hatten auch installiert“ die weitere, vielleicht gar bessere Vorschläge produzieren würden. Das Ganze macht keinen sehr guten Eindruck. Man sieht sich also in der Not, im Web nach Anwendungen zu suchen und diese dann per Namen oder per Link im Store zu finden. Dabei kam es mir vor, dass Teils gute Anwendungen sich nicht finden lassen wollen. Einen vernünftigen Twitter-Client oder einen Newsreader fand ich nur über Links direkt in den Store. Im Store selber oder über die Suchfunktion waren die Apps nicht auffindbar. Möglich, dass das deutsche Windows die englischen Apps ausgefiltert hatte, aber in einer Situation mit einem leeren Shop kann das nicht zielführend sein.

Nach einer Weile ist das skandalös tolle Gefühl der herausragend guten Hardware und des neuen Betriebssystems abgenutzt und es stellt sich die Frage, wozu mag man das verwenden. Dazu gesellt sich der recht hohe Preis. Dann zeigen sich plötzlich Mängel der jungen Platform und der ersten Geräte. Der größte Vorteil des System, dass es den Eindruck eines richtigen Rechners vermittelt kehrt sich ins Gegenteil um, wenn man bemerkt, dass man nicht wie auf einem richtigen Rechner alle Anwendungen die man gewohnt ist installieren kann. Ich kam am Ende drauf, dass die Displaybeleuchtung merkwürdiges Verhalten zeigt. Die pumpte unaufhörlich, was bei hellen Webseiten leider komplett inakzeptabel ist. Man fürchtet nach 10 Minuten auf dem Sofa dass man epileptische Anfälle bekommt, wie es Hinweise auf Konsolen und Spielen schon seit Jahren prophezeien. Ob GPS funktioniert oder nicht war nicht zu erkennen. Normal kann ich in der Dachwohnung davon ausgehen, dass man Empfang auch auf dem Sofa bekommt ohne den freien Himmel über sich zu haben. Der Blitz der Kamera funktionierte gar nicht. Das Windows-Logo hatte in diversen Videos den Eindruck erweckt, dass es irgendwie leuchten würde. Wäre sinnvoll bei Mails und Skype und ähnlichen Hinweisen. Showstopper war aber das Pumpen der Display-Beleuchtung. Keine Einstellung zum automatischen Anpassen der Helligkeit, keine Änderung außer bei voller Helligkeit. Um 599€ für das Gerät ohne Dock ist das nicht akzeptabel. Leider. Ich vermute, man muss der Platform und den Herstellern noch etwas Zeit geben. Genau diese Zeit, die eine größere Akzeptanz der Platform brauchen würde um richtig durch zu starten. Ein Teufelskreis, will man meinen.

In nächster Zukunft sollen Tablett mit der Pro Platform erscheinen. Das Surface Pro und auch Asus hat ein Vivo-Tab ohne „RT“ im Programm. Diese Geräte sollen richtige x86 Prozessoren haben und dann auch die alten, gewohnten Programme laufen lassen. Allerdings werden die nicht mehr 9mm dick und 500g schwer sein, vermute ich. Dafür erwartet man Lüfter und kürzere Laufzeiten. Diese Geräte mögen einen Vorteil der leichten Tablett zu Gunsten größerer Rechenpower opfern. Ob das was wird, weiß noch niemand. Ein Tablett in einer ähnlichen Dimension aber mit Intel ATOM CPU, die auch x86 Apps kann, scheint eine Zwischenlösung zu sein. Von der Rechenpower der Atom-Chips kann man nicht viel erwarten.

Eine andere Art von Geräten erwartet uns durch die Wiederbelebung der sog. Konvertibles. Das sind an sich normale Ultra-Books oder Laptops, deren Display aber so umgeklappt werden kann, dass es als alleinstehende Oberfläche mit Touchbedienung funktioniert. Diese Gattung von Hardware kann man aber nicht wirklich mit Tabletts vergleichen. Es handelt sich um schwere, dafür leistungsfähige Geräte. Davon gibt es einige in der Pipeline:


Das Sony Vaio SVD1121X9EB Hybrid oder das Asus Asus TAICHI21 sind nur Beispiele von spannenden Geräten mit aktuellen Intel i5 und i7 Prozessoren, 4GB RAM und SSD’s. Das Vaio kann ich in einer Auslage bewundern, Tablett ist das sicher keines. Es sind halt Ultrabooks mit neuen Konzepten, wie 2 Bildschirmen oder wilden Klapptechniken. Dort stehen aber auch sehr stolze Zahlen an den Produkten. Dafür sind das auch voll funktionstüchtige Geräte mit allen Features, die man heute erwartet. Viele andere Ultrabooks und Laptops werden mit Tochscreens daher kommen. Bald wird das normal sein, denke ich. Das wird auch vor Desktop-Geräten nicht halt machen. Touch wird bald normal sein. Ich frag mich, wie Apple da reagieren wird. Konzepte zeigen sich ja schon in einigen Teilen von MacOSX. Erfahrung mit iOS wäre vorhanden. Muss man abwarten.