Microsoft Surface Go

Microsoft als Hardware-Hersteller versucht dem allgegenwärtigen iPad und den Chromebooks etwas entgegen zu setzen und im Markt der Ultraportablen, preiswerten Geräte Fuss zu fassen. Das Microsoft Surface Go versucht sich nun in 10″ und 550g und verspricht trotzdem ein „PC“ zu sein. Kann das gelingen? Wie schlägt sich das Kleine gegen einen Haufen teurer Hightech im Alltag eines PC-Bedieners mit dem Hobby Hardware-Sammeln?

Seit der sogenannten Frühzeit der mobilen Computertechnik bin ich auf der Suche nach einem Gerät, welches zu gleichen Teilen mobil ist, als auch nahezu alle Aspekte von „arbeiten“ erfüllen kann. Der erste Laptop den ich hatte, war möglicher Weise ein iBook G4. Ein tolles Gerät. Dann kam ein Acer Aspire mit AMD CPU. Das Ding war 3kg schwer und gefühlt ein Würfel. Direkt nach dem Anschalten machte es ein Geräusch, wo man glaubte, es wäre eine Flugzeug-Düse eingebaut. Dann kamen die Netbooks. Ich war im Besitz von 2 der ersten Generation. Hier im Blog beschrieb ich diese Geräte (1, 2). Dann kam ein Ding, was klein genug war und auch halbwegs Rechenpower bereit hielt, das Lenovo S205. Dieses Gerät, gepimt mit 4GB Ram und einer SSD, lebte sehr lange und verrichtet immer noch Arbeit in einer Ecke. Irgendwann kam ein Windows RT Gerät, was direkt wieder zurück in den Laden ging. Nun kommen wir zu den Geräten die nach all der Zeit noch immer „leben“ und täglich als Rechner benutzt werden. Das Ultrabook und das Surface 2. Beide sind nun 5 bzw. 6 Jahre alt und laufen mit i5 und 4GB RAM noch immer gut. Für Schule und Spiel. Beide haben mir bei der Arbeit geholfen und sich damit bezahlt gemacht. Das Dell XPS13 ist nun auch schon „alt“ aber noch gut benutzt. Es wurde krank und musste ein neues Mainboard und eine neue Tastatur bekommen. Ersetzt wurde es durch ein Lenovo Miix 720, ein mobiles Powerhouse mit i7, 16GB RAM und 1TB SSD. Dazwischen habe ich ein MacBook in schwarz und ein MacBookPro vergessen, die über Jahre gut genutzt waren. Ein Chomebook wird aktuell auch noch genutzt.

Dies ist die längliche Geschichte die zeigt, dass ich im Verlauf von mittlerweile 12 Jahren eine große Menge an Geräten besaß. Dazu kommt ein Stapel von Tablets mit iOS, Android und Windows. Keines davon besaß das Potential, abends auf dem Schoss zum Blogschreiben zu taugen. Die endeten eher als Displays für Film und Spiel. Die 8″ Windows Tablets mit Atom CPU kann man eigentlich zu gar nichts gebrauchen. Zu dick und zu schwer um ein Tablet zu sein, zu lahm um als PC zu dienen. Die iOS Geräte funktionieren gar nicht zum Arbeiten, es sei denn, man redet sich eine 1000€ Investition schön, die als besserer Schreibblock her halten muss. Das Samsung S3 mit Tastaturdock geht auch nicht wirklich zum Blog schreiben oder ein Terminal auf machen. Hier wird ein Desktop-Betriebssystem benötig was in klein so aussieht wie der Desktop-PC.

Tata! Auftritt des Surface Go, was Microsoft neulich auf den Markt warf. Die kalten technischen Spezifikationen: 10″ Display mit 1800×1200 Pixeln, 530g, irgendein Petium Gold Prozessor und das Testgerät was ich mir selbst zur Verfügung stellte verfügt über 8GB RAM und eine 128GB SSD. Das ist die „große“ Konfig um 600 Euro. Es gibt noch eine mit 4GB und 64GB eMMC, was ich keinem empfehlen kann. Zu wenig Platz und mehr oder wenig eine verlötete SD-Karte. Ein Magnesiumgehäuse was ziemlich anfällig gegen Kratzer ist und man muss die Tastatur und den Stift dazu kaufen. Es rennt im Auslieferzustand ein Windows 10 S drauf. Das ist ein normales Windows 10 Home abzüglich der Möglichkeit, normale Programme laufen zu lassen. Wobei „unnormale Programme“ hier die Apps aus dem Windows Store sind. Ein paar Minuten hab ich gedacht, ich gehe den Weg den sich Microsoft hier ausgedacht hat, dann fand ich das albern, weil ich hätte einen Haufen neuer Programme suchen müssen. Ein Klick reicht und es wird ein normales Windows 10 ohne die Einschränkung. Ganz sinnlos ist diese nicht, sind Programme aus dem Store extra getestet auf Verträglichkeit mit Windows 10. Zudem laufen sie in einem strengen Korsett und in einer Sandbox.

Das sind die harten technischen Fakten, aber nach all dem Text kommt der eigentliche Punkt:

Dieses Gerät ohne großartige Rechenpower und mit einem 5700mAh Akku ist das gesuchte mobile Netbook Ding.

Wie komme ich zu der Aussage, die wahrscheinlich zum Erscheinen des nächsten tollen Gadgets die Pixel nicht wert ist, die sie schwarz färbt? Zum ersten kann man es in die Tasche stecken, es nimmt den Platz weg, den das ungenutzte Notizbuch vorher einnahm. Es wiegt so viel wie ein dickeres Magazin auf Hochglanzpapier. Man muss kein Netzteil mit nehmen, man kann es einfach an irgendein USB-C Kabel hängen. Die werden ja langsam üblich. Sobald man es anschaltet, leuchtet die Infrarot Kamera und meist wird man direkt angemeldet. Das geht im Dunklen in einem erstaunlich großen Winkel. Andere Windows Hello Kameras sind nicht so tolerant, wenn nicht genau davor sitzt. Es rennt alles sofort los, wie man es erwartet. Ich habe die Skalierung auf 150% gestellt. Vorher war sie bei 200%, was auch ok ist, aber eben effektiv 900x600px bedeutet. Browser, Mail, Officeprogramme, Terminal… Alles läuft erstaunlich schnell und leicht. Die geringe Größe macht auch die Tastatur unüblich klein, aber man gewöhnt sich daran. Wenn man die Tastatur abnimmt, kann man das Teil als ziemlich dickes Tablet nutzen, es rauscht nicht weil ein Lüfter den i7 kühlen muss, es wird nicht heiß. Der Stift funktioniert schnell und ohne merkbare Verzögerung. Es gibt die üblichen Druckstufen und halt alles, was man von einem modernem Digitizer erwartet. Es reicht in meinem Fall zum Schreiben. Das  Type Cover braucht man unbedingt, den Surface Pen nicht so dringend.

Da ist es Microsoft gelungen, ein Gerät vom Format eines Tablets zu bauen, was trotzdem die üblichen Desktop-Programme erstaunlich schnell und flüssig laufen lässt. Das ganze startet ab 499, obwohl die kleine Version kaum empfohlen wird. Damit kann ich abends wieder Texte in diesen Blog füllen und am der Homeautomation fummeln. Oder im Rucksack rumtragen um einen Film zu schauen oder einen Zock zu machen. Mission erfolgreich.

Nicht verschweigen will ich, dass ein LTE Modem hätte dabei sein können um wahrlich unabhängig mobil zu sein. Aber Netz via Bluetooth oder Hotspot vom Telefon geht immer.